Wir sind derzeit im C(h)orona-Freudentaumel. Ja, so etwas gibt es. Denn unser Video „Corona → Chorona – virtual choir“ wurde im Laufe von 24 Stunden schon über 2000 Mal aufgerufen. Nicht viel für manche, aber doch eine große Ehre für uns.

Eine besondere Freude war uns bisher unser Auftritt bei Armin Wolf in der ZIB 2. Wer diesen großartigen Moment noch nicht gesehen hat, findet ihn hier.

Dabei waren neben den Sänger*innen, die im Video zu sehen sind, drei Personen maßgeblich an „C(h)orona“ beteiligt: Angelika Schmid, Roman Schmid und Lukas Theiner. Für unseren Blog berichten sie exklusiv über ihre Motivation, ihre Ideen und Gedanken hinter dem Projekt.

Angelika Schmid (Konzept)

Bereits eine Woche vor den Ausgangsbeschränkungen aufgrund der Corona-Krise in Österreich musste ich selbst, weil ich mit Fieber erkrankte, länger als eine Woche zuhause bleiben. Dieser Krankenstand ging nahtlos in die Ausgangsbeschränkung über, wodurch ich von heute auf morgen alle Zeit der Welt hatte. Da ich noch zu schwach war, um mich sportlich zu betätigen oder umwerfende Dinge im Haushalt zu erledigen, tat ich für wenige Tage gefühlt nichts anderes, als stundenlang in den sozialen Medien zu hängen.

Im Zuge dessen stieß ich auf einige verbreitete Covers bestehender Songs mit umgeschriebenen Corona-Texten. Die Langeweile, die sich bei mir schon ein wenig breit machte, wandelte sich bei mir von einer Sekunde auf die andere in Aufregung um, da auf einmal der Gedanke aufkam, gemeinsam mit dem Chor etwas Neues auf die Beine zu stellen: Ein eigens komponiertes Stück zu dieser Thematik – das schaffte es bisher noch nicht in die sozialen Medien.
Ziel sollte sein, der Chorgemeinschaft selbst, ihren Fans und vielen Menschen darüber hinaus den Alltag zuhause in den eigenen vier Wänden ein wenig aufregender zu gestalten und sie mit Spaß und Freude anzustecken.

Da ich selbst leider aber weder kompositorisch noch technisch veranlagt bin, war ich auf große Unterstützung angewiesen – und bekam zu meiner riesigen Freude innerhalb weniger Minuten und ohne große Überlegungen Zuspruch von Lukas (Komposition) und Roman (Technik).

Sobald wir das fertig komponierte Stück von vorne bis hinten gemeinsam nochmals intensiv durcharbeiteten und verfeinerten, wurde das Ganze auch schon an die Chorgemeinschaft weitergegeben – und auch hier stießen wir auf Begeisterung. ES KONNTE LOSGEHEN!

Lukas Theiner (Komposition)

Wie viele andere haben auch mich die Ausgangsbeschränkungen vor viel freie Zeit gestellt. Aufgrund verschiedener Projekte, die teils von außen an mich herangetragen wurden und teilweise von mir selbst initiiert wurden, war die viele Zeit plötzlich mit sehr viel Musik erfüllt. Zu meiner großen Freude! Daher musste ich nicht lange überlegen, als von Angelika die Anfrage kam, ob ich nicht etwas für den Chor schreiben würde. Ich habe sofort zugestimmt!

Auch wenn ich bis zu diesem Moment schon hin und wieder Medleys für mehrere Stimmen arrangiert hatte, hatte ich noch nie ein Chorstück komplett selbst komponiert. Für mich ist Musik sehr stark mit Gefühl verbunden. Deshalb musiziere ich auch mehr nach Gefühl als nach Regeln. Nach dem Prinzip bin ich auch das Komponieren angegangen. Viel ausprobieren, Harmonien vorspielen, einzelne Töne verschieben, hören ob es mir so besser gefällt – so entstand nach und nach das C(h)orona-Lied. Ich wollte ein Lied schreiben, das fröhlich ist und doch auf den Ernst der Lage hinweist und vielleicht sogar ein Ohrwurm wird, der sich verbreitet und so ein bisschen Freude verteilt.

Am Anfang des Stücks steigen alle Stimmen vom Bass bis zum Sopran nacheinander mit einem Tritonus ein. Dieser wird auch als Teufelsintervall bezeichnet und wird gerne für negative Assoziationen genutzt. Damit wollte ich einerseits die Gefahr des Virus und mit dem gestaffelten Einstieg andererseits die Verbreitung symbolisieren.

So wie im Stück jede Stimme mal die Hauptstimme singen darf, können auch wir alle unseren eigenen Beitrag leisten, um dann gemeinsam und vereint stark zu sein. Deshalb singen im Stück alle Stimmen abwechselnd Text und dann wieder gemeinsam. Ich wollte möglichst viel Zusammenspiel zwischen den Stimmen herstellen, um so den Zusammenhalt, den wir aktuell brauchen, widerzuspiegeln.

Lukas ist am Komponieren.

Roman Schmid (Technik)

Kurzarbeit und Auftragsabsagen führten auch bei mir zu viel Freizeit, die abgesagten Chorproben zu gewissen Chor-Entzugserscheinungen. Angelikas Idee kam da wie gerufen, um meine Arbeit als Tontechniker kreativ umzusetzen und unsere Chorgemeinschaft wieder musikalisch zusammenzubringen.

Das Engagement der Sänger*innen war ein sehr schönes Zeichen der Motivation und des Tatendrangs und hat mich bei der Bearbeitung, die doch etwa eine Arbeitswoche gedauert hat, sehr animiert und meinen Perfektionismus herausgekitzelt.

Die Audio- und Videoideen der eigenständigen Aufnahmen, die nach und nach bei uns eingetrudelt sind, haben uns jedes Mal aufs Neue erheitert, überrascht und das Ausmaß der Kreativität war bei jedem Puzzlesteinchen so, als würde man mit der Person selbst musizieren und interagieren.

Fazit

Angelika Schmid: Ich bin so glücklich und dankbar dafür, dass die Produktion so flott und unkompliziert ihren Lauf genommen hat und wir so viel Freude damit verbreiten können.

Lukas Theiner: Es ist für mich unfassbar schön, dass ich dieses Lied für unseren Chor schreiben durfte und es dann auch gleich von so vielen zuhause gesungen und dann zu einem gemeinsamen Video zusammengebastelt wurde. Es ist wirklich sehr berührend meine Komposition von den Leuten, die für mich wie eine zweite Familie sind, gesungen zu hören.

Roman Schmid: Das Lob und die positiven Rückmeldungen, die wir für das fertige Projekt bekommen haben sind überwältigend und ungemein berührend für mich gewesen und daraus schlussfolgernd freue ich mich auf eventuell weitere gemeinsame Projekte in diesem Rahmen.

8 thoughts on “C(h)orona: Ein virtuelles Chorstück geht viral

  1. Großartig!Wir gratulieren euch herzlich zu eurer tollen Leistung! Viel Erfolg und alles Gute weiterhin! Andrea und Gerhard

  2. Liebe Angelika, lieber Roman!
    Super, was ihr da auf die Beine, besser ins Netz gestellt habt. Das ist so toll und hebt sich sehr positiv von so vielen anderen Dingen ab, die im Netz zum Thema Corona zirkulieren

    1. Liebe Barbara!
      Vielen Dank für die lieben Worte und das positive Feedback 🙂 wir freuen uns, wenn wir jemandem ein Lächeln ins Gesicht zaubern können!
      Alles Liebe

  3. Liebe Wiener!
    Bin überrascht mit wieviel Professionalität
    Ihr dieses Werk auf die Beine gestellt habt. Mit diesem Lied habt ihr in kurzer Zeit sehr viele Menschen erreicht. Es regt zum Nachdenken an, gibt Mut und Kraft. Danke!

    1. Vielen Dank liebe Frau Schlichting!
      Es war uns ein Anliegen, unsere musikalische Individualität mit dem aktuellen Thema zu transportieren und freuen uns sehr, wenn unsere Arbeit Anklang findet 🙂

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